Gansabhauet


Kategorie:
Gesellschaftliche Praktiken
Kanton:

Beschreibung

Der Gansabhauet ist eine überregional bekannte Brauchveranstaltung, die jeweils am Martinstag, dem 11. November, in Sursee stattfindet. Vor allem junge Männer, aber auch einige Frauen versuchen, einer am Hinterkopf aufgehängten, toten Gans mit einem stumpfen Dragonersäbel den Hals durchzutrennen. Dabei sind sie ihres Sehsinns beraubt, weil sie eine Zipfelmütze über dem Gesicht tragen, dazu eine goldige Sonnenmaske und einen roten Mantel. Bevor sie ihren je einzigen Hieb ausführen, ertasten sie mit unbedarft erscheinenden Bewegungen die Position des Federviehs, um die optimale Einschlagstelle ausfindig zu machen. Die Reihenfolge der Schläger wird durch das Los bestimmt. Bis die insgesamt zwei Gänse geköpft sind, erfolgen in der Regel zwischen fünf und zwanzig Hiebe. Schauplatz der Handlung ist eine Bühne vor dem Rathaus, vor der sich rund 3’000 Zuschauer einfinden. Das Rahmenprogramm besteht aus verschiedenen Spielen für Kinder und Jugendliche wie Stangenklettern, Sackhüpfen oder Grimassen-Schneiden – «Chäszänne» genannt, weil die Kinder zur Belohnung für ihr dargebotenes „Zänni“ ein Stück Käse bekommen. Den Abschluss der Gansabhauet machen ein abendlicher «Räbeliechtli-Umzug», ein Lichterumzug mit Laternen aus Herbstrüben, sowie festliche Mahlzeiten mit Gänsegerichten im Rathaus und in den umliegenden Restaurants. Die Ursprünge des Brauchs sind unklar, dürften aber im Spätmittelalter liegen. Um 1820 verschwand er aus dem örtlichen Brauchleben, ehe er 1863 wiederbelebt wurde.

Bildergalerie

  • Im Mittelpunkt des Geschehens: Eine tote Gans hängt am Drahtseil, Rathausplatz Sursee, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Die Reihenfolge der rund hundert Schläger wird durch das Los bestimmt, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Bevor der Schläger den Hieb ausführt, ertastet er den Hals der Gans, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Ein Schläger holt zu seinem einzigen Versuch aus, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Ein Trommler und ein Paukist begleiten die Maskengestalt, Rathausplatz 1938 © Sammlung Ernst Brunner, Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel
  • Adressaten des Spektakels: Rund 3’000 Zuschauer finden sich auf dem Rathausplatz ein, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Begleitprogramm für Kinder: Buben schnappen nach Cervelats, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Chäszänne an der Gansabhauet: Klebebild in einem Sammelalbum zu schweizerischen Volksbräuchen, 1954 © Nestlé Historical Archives, Vevey
  • Im Mittelpunkt des Geschehens: Eine tote Gans hängt am Drahtseil, Rathausplatz Sursee, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Die Reihenfolge der rund hundert Schläger wird durch das Los bestimmt, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Bevor der Schläger den Hieb ausführt, ertastet er den Hals der Gans, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Ein Schläger holt zu seinem einzigen Versuch aus, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Ein Trommler und ein Paukist begleiten die Maskengestalt, Rathausplatz 1938 © Sammlung Ernst Brunner, Schweizerisches Institut für Volkskunde, Basel
  • Adressaten des Spektakels: Rund 3’000 Zuschauer finden sich auf dem Rathausplatz ein, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Begleitprogramm für Kinder: Buben schnappen nach Cervelats, 2004 © Bruno Meier, Sursee / Gansabhauet-Komitee, Sursee
  • Chäszänne an der Gansabhauet: Klebebild in einem Sammelalbum zu schweizerischen Volksbräuchen, 1954 © Nestlé Historical Archives, Vevey

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Edgar Harvolk: «Strangulatio Anserum». Meinungen und Materialien zu einem volkstümlichen Wettkampfspiel. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde. München, 1978/79, p. 95-101

  • Stefan Röllin: Gansabhauet in Sursee. In: Das Jahr der Schweiz in Fest und Brauch. Ed. Rolf Thalmann. Zürich, 1981, p. 263-264

  • Erik de Vroede: Menschen spielen mit Tieren. Ganswurf, Gansritt, Hahnenschlagen. In: Mensch und Tier. Kulturwissenschaftliche Aspekte einer Sozialbeziehung (Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung 27). Siegfried Becker, Andreas C. Bimmer. Marburg, 1991, p. 61-81

Dossier
  • Gansabhauet

    Ausführliche Beschreibung Gültig ab: 08.08.2012
    Grösse: 247 kb
    Typ: PDF