Sgraffito


Kategorie:
Traditionelles Handwerk
Kanton:

Beschreibung

Sgraffito-Ornamente zieren zahlreiche Häuserfassaden im Engadin, Bergell, Val Müstair und anderen Regionen Graubündens. Beliebte Motive sind geometrische Muster, Wellenbänder, Rosetten, Tiere und mythologische Figuren. Renaissance-Baumeister brachten die Dekorationstechnik des «Sgraffito» (vom italienischen sgraffiare = kratzen) im 16. Jahrhundert nach Graubünden. Einheimische Handwerker kopierten die Motive und ergänzten sie mit Fantasie zu einem eigenen Typus. Bei diesem Kunsthandwerk werden aus einer feuchten, mit hellem Kalkanstrich übertünchten Putzschicht mit Stiften und Messern Ornamente herausgekratzt. Dadurch kommt der darunter liegende, dunklere Kalkmörtel zum Vorschein.

Die Farbe des Sandes und beigefügte Pigmente bestimmen die Tönung des Verputzes. Wegen ihrer reliefartigen Struktur und ihrer kontrastreichen Farbwirkung eignen sich Sgraffiti besonders zur Zierde der Fenster, Tore, Dachgiebel, Erker und Ecken. In Graubünden erlebte der Kratzputz seine grösste Blüte im 17. und 18. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er als charakteristisches Merkmal des Bündner Heimatstils wiederbelebt.

Handwerker und namhafte Künstler setzen heute die Sgraffito-Technik sowohl bei Restaurierungen als auch bei der Gestaltung von Neubauten ein. Sie verwenden traditionelle oder auch moderne Motive und entwickeln ihren eigenen Stil. In Kursen und Seminaren, die vermehrt auf Interesse stossen, wird das Wissen über die alte Handwerkstechnik weitergegeben.

Bildergalerie

  • Haus Padrun, Andeer (2013) © Roland Zumbühl, picswiss.ch
  • Dachgiebel (Samedan, 2017) © Silvia Conzett
  • Wohnhaus (Ardez) © Fotostiftung Graubünden
  • Portal (Bergün, 2017) © Silvia Conzett
  • Meerjungfrau und Drache (Cinuos-chel, S-chanf) © Fotostiftung Graubünden
  • Haus (Guarda, 2017) © Silvia Conzett
  • Schellenurslihaus (Guarda, 2017) © Silvia Conzett
  • Salis-Haus, Bever mit Sgraffiti von Nicolaus Hartmann © Rätisches Museum
  • Sgraffiti von Iachen Ulrich Könz (Guarda, 2015) © Alex Winiger, mural.ch
  • Sgraffiti von Steivan L. Könz (Bergün, 2017) © Silvia Conzett
  • Sgraffiti von Steivan L. Könz (Bergün, 2011) © Alex Winiger, mural.ch
  • Sgraffiti von Steivan L. Könz (Ardez) © Paebi, cc BY-SA3.0, wikimedia commons
  • Schulhaus Samedan mit Sgraffiti von Giuliano Pedretti (2017) © Silvia Conzett
  • Sgraffiti von Constant Könz und Annamaria Reinalter (Brail, 2013) © Silvia Conzett
  • Sgraffiti von Constant Könz (Pontresina, 2015) © Alex Winiger, mural.ch
  • Josin Neuhäusler kratzt ein Wellenband © Josin Neuhäusler
  • Sgraffito-Kurs bei Josin Neuhäusler (Susch, 2017) © Nadja Simmen, Südostschweiz

Videoaufnahmen

Sgraffito © calcina.ch

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Hans Hofmann: Sgraffito im Bergell, Engadin und Val Müstair. Chur, 1994

  • Urs Oskar Keller: Das Sgraffito: Mehr als nur Dekoration oder Volkskunst. In: Applica 17, 2007, p. 28–32

  • Iachen Ulrich Könz und Eduard Widmer: Sgraffito im Engadin und Bergell. Zürich, 1977

  • Gisela Kuoni: Fassaden voller Geheimnisse. In: TURICUM 23, Juni 1992, p. 27–32

  • Robin Schwarzenbach: Ein echtes Sgraffito aus eigener Hand. In: Neue Zürcher Zeitung, 7. Mai 2010

  • Eine Tradition für alle Ewigkeit. In: Contura 2016/17 (contura.rhb.ch)

Dossier
  • Sgraffito

    Ausführliche Beschreibung Gültig ab: 29.05.2018
    Grösse: 254 kb
    Typ: PDF