Hom Strom


Kategorie:
Gesellschaftliche Praktiken
Kanton:

Beschreibung

Am Nachmittag des ersten Februarsamstags treffen sich die älteren Schülerinnen und Schüler auf dem Platz im Unterdorf von Scuol, um den «Hom Strom» (Strohmann) zu bauen. Sie legen eine alte, etwa acht Meter lange Telefonstange auf zwei Böcke. Aus Roggenstroh, das speziell zu diesem Zweck angebaut und im Herbst von Hand geerntet wurde, drehen sie zwei lange, armdicke Stränge. Diese werden an den beiden Enden der Stange befestigt und dicht um die Stange gewickelt, bis die Walze einen Durchmesser von gegen zwei Metern erreicht hat. Der Hom Strom wird auf einem Wagen zu seinem Standort auf einer Wiese ausserhalb des Dorfes transportiert. Dort richten Mitglieder des Schul- und des Gemeinderats den Strohmann mit Hilfe von Leitern auf und setzen ihn in ein vorbereitetes Loch. Nun muss er bewacht werden, damit ihn nicht die Knaben des Nachbardorfes vorzeitig anzünden.

Abends versammelt sich die Bevölkerung von Scuol mit weiteren Gästen beim Hom Strom, während die ältesten Schüler das Gelände mit ihren «Bombas» (Feuerkugeln) aus petrolgetränkten Lappen erleuchten. Punkt 20 Uhr wird der Strohmann in Brand gesetzt, und alle singen das Hom-Strom-Lied, das der einheimische Dichter Men Rauch 1954 für diesen Anlass komponiert hat.

Bildergalerie

  • Die Jüngsten tragen das Roggenstroh herbei (Scuol, 7.2.2017) © Dominik Täuber
  • Die Garben werden zu Strängen geflochten (Scuol, 4.2.2017) © Benedict Stecher
  • Der Hom Strom entsteht auf dem Dorfplatz (Scuol, 7.2.2017) © Dominik Täuber
  • Mit dem Rohr wird die Stange gedreht (Scuol, 4.2.2017) © Benedict Stecher
  • Die Stange ist mit Strängen dicht umwickelt (Scuol, 4.2.2017) © Benedict Stecher
  • Der Strohmann ist bereit für den Transport (Scuol) © Manuel Schmid, winterfeuer.ch
  • Mithilfe von Leitern wird der Hom Strom aufgerichtet (Scuol) © Scoula Scuol
  • Feuerkugeln erhellen das Gelände (Scuol, 6.2.2010) © Nicolo Bass, Posta Ladina
  • Die «Bombas» werden durch die Luft geschwungen (Scuol, 7.2.2015) © Dominik Täuber
  • Kurz vor dem grossen Moment (Scuol, 7.2.2015) © Dominik Täuber
  • Gemeinsam wird das Hom-Strom-Lied gesungen (Scuol, 7.2.2015) © Dominik Täuber
  • Nach wenigen Minuten brennt der Hom Strom lichterloh (Scuol) © Scoula Scuol
  • Das Lied vom Hom Strom (Scuol) © Scoula Scuol

Videoaufnahmen

Hom Strom (7.2.2016) © RTR

Hom Strom, 2017 © Manuel Schmid (https://www.winterfeuer.ch/)

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Domenic Feuerstein: Der «Hom strom» in Scuol. In: Heimatleben
    28/1, 1955, p. 16–19

  • Gudench Barblan: Sitten, Gebräuche und Volksfeste im Unterengadin. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 19, 1915, p. 65–84

  • Balser Biert: Hom Strom in Scuol. In: Das Jahr der Schweiz in Fest und Brauch. Ed. Rolf Thalmann. Zürich, 1981

  • Paul Eugen Grimm: Scuol. St. Moritz, 2012

  • Fadrina Hofmann: Scuol feiert auch heute noch den Sonnengott. In: Südostschweiz, 9.2.2015

  • Gabriela Holderegger, Jano Felice Pajarola: Der Strohmann entgeht nie seinem Schicksal. In: Muntognas magicas. Chur, 2011

  • Cla Schur: Gelebtes Brauchrum: Der Hom strom in Scuol. In: Bündner Woche, 13.2.2013

  • Erich Schwabe: Feste und Traditionen in der Schweiz, Band 1. Neuenburg, 1984

  • Walter Schweizer: L'hom strom: ein alter Engadiner Brauch. In: Feierabendkalender 1968, p. 106–108

  • Schulkinder Scuol: Hom-Strom-Lied. Aufnahme von Radio Télévision Suisse Romande. In: Der klingende Jahreskreis (Compact Disc). Oberhofen am Thunersee (Zytglogge), 2013

Dossier
  • Hom Strom

    Ausführliche Beschreibung Letzte Änderung: 22.06.2018
    Grösse: 399 kb
    Typ: PDF