Gebärdensprachen

Gehörlose, hörbehinderte und hörende Gebärdensprachnutzende schaffen eigene kulturelle Universen. Denn als Bildsprachen teilen Gebärdensprachen zwar die meisten Eigenschaften mit Lautsprachen, gewährleisten aber durch lautlose, mit dem Körper hervorgebrachte Ausdrucksformen der Minderheit der Gehörlosen und Hörbehinderten eine Inklusion in die Mehrheitsgesellschaft und eigene Interaktionsmöglichkeiten. So lassen sich in Gebärdensprachen nicht nur Informationen im Alltag austauschen, sondern auch ein Theater aufführen oder ein Deaf Slam – eine gebärdete Slam Poetry – präsentieren.

Dies erfolgt in der Schweiz in der Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS) und seinen fünf regionalen Dialektvarianten, in der Langue des signes française (LSF) oder in der Lingua die segni italiana (LIS). Die sprachliche Vielfalt ist damit bezogen auf die 20’000 bis 30'000 Gebärdensprachnutzenden in der Schweiz gross. Zudem ist die Bedeutung der Gebärdensprachen vor dem Hintergrund einer langen Geschichte der Diskriminierung von Gehörlosen zu sehen, einer medizinisch begründeten Pathologisierung von Hörbehinderung und einer vom Fremdblick geprägten Gehörlosenpädagogik, die Gebärdensprachen gegenüber Lautsprachen als minderwertig einstufte. In jüngster Zeit erhalten Gebärdensprachen unter einer ressourcen- und teilhabeorientierten Perspektive auf Gehörlosigkeit jedoch zunehmend Anerkennung als eigenständige kulturelle Ausdrucksformen.


Detailbeschreibung


Kategorie


Kanton


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