Übernamen in der Zentralschweiz

Nebst der staatlich-offiziellen Namensgebung, die auf Vor- und Nachnamen basiert, existiert in der ländlichen Zentralschweiz ein zweites, traditionelles Namenssystem, das die Alteingesessenen, vor allem die vor 1960 Geborenen, bis heute verwenden. Es beruht auf Übernamen, die einzelnen Personen, Familien oder Sippschaften verliehen werden. Dahinter steht ein praktischer Grund: Die offizielle Namensgebung ist in vielen Dörfern und Streusiedlungen, in denen weitverzweigte Verwandtschaftsnetze dieselben Nachnamen tragen und die traditionellen Vornamen sich auf wenige Heiligennamen beschränkten, kein taugliches Unterscheidungsmerkmal. Als Aufhänger für die Übernamen dienen Flurbezeichnungen, auffällige Betätigungen oder soziale und körperliche Merkmale. Einige dieser Benennungen tragen eine mehr oder weniger offensichtliche Stigmatisierung in sich und werden in Gegenwart der bezeichneten Person nicht verwendet. Andere sind ein unbelasteter, alltäglicher Bestandteil der persönlichen Identität. In bäuerlichen Kreisen treten an Flurnamen gekoppelte Übernamen besonders häufig auf. Dabei werden manchmal ergänzend und präzisierend ganze Ahnenreihen mitaufgezählt.


Detailbeschreibung


Kategorie


Kanton

Verwandte Traditionen

Publikationen

Muheim-Büeler, Josef: Die Hänsler. Band I: Nachfahrenverzeichnis. Band II: Schächentaler Zunamen und Übernamen. Greppen: Selbstverlag, 1981 [weitere Auflagen: 1983, 1993, 2006].

Gwerder, Alois: “200 alte Übernamen im Muotathal – aufs Jahr genau erfasst”, In: Schweizer Volkskunde 96 (2006), S. 94-95.

Oechslin, Max: “Urnerische Übernamen”, In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 39 (1941-1942), S. 161-178.

Blaser, Fritz: “Familien-, Zu-, und Übernamen der Gemeinde Triengen”, In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 33 (1934), S. 198-203.

Saladin, Guntram: “Über luzernische Familiennamen”, In: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz, 84 (1929), 109-141.

Plattform für schweizerische Ortsnamen- und Namenforschung mit einer umfassenden toponomastischen Literaturliste zu allen Schweizer Kantonen

Hans Ming: Alte Beinamen (Übernamen) von Lungern. In: Hans Ming: Menschen, Namen und Geschichten von Lungern, Obwalden. Bürglen, 2008, p. 53-231

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser: Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Ein Beitrag zur subjektiven Wahrnehmung von Namenräumen und die Konzeptualisierung von Namenfeldern aus Sicht des onomastischen Laien. Basel, 2017

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